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07 | 02 | 2012
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Am 8. März 1954  folgten einige filmbegeisterte Soester einem Aufruf von Franz Kalbhen zu einem Treffen  im  Brauhaus Christ.  Noch  war der Amateurfilm  ein elitäres Hobby  und so war  es erstaunlich,  dass  sich  dennoch  15  vom  Medium  Film  Begeisterte einfanden, um  den Soester  Schmalfilmklub aus der Taufe zu heben. Zum Vorsitzenden  des neuen Vereins wurde Studienrat  Kurt  Schaumann  von  den  Anwesenden gewählt. Und es ist kaum zu glauben: von dieser Gründungsversammlung  gibt  es  noch heute  einen  Film.  Schützenhilfe  bei  der Vereinsgründung  leistete damals der Schmalfilmklub Lippstadt.

Mit der Wahl Kurt Schaumanns begann eine erfolgreiche Zeit für den Klub, aber auch für ihn selbst. Dank seiner Bemühungen wurde der Klub in den Bundesverband Deutscher Film-Autoren e.V. (BDFA e.V.) integriert. Der Schmalfilmklub Lippstadt übernahm dabei die Patenschaft, denn diese war damals noch zwingend notwendig, wenn ein neuer Filmklub in die Gemeinschaft des BDFA aufgenommen werden wollte. Die Zahl der Mitglieder wuchs mit zunehmendem Wohlstand und schon bald zählte der Klub 25 Mitglieder. Nicht nur reine Familienfilme wurden gedreht, zu Ostern, Weihnachten oder im Urlaub gefilmt, sondern man wagte sich auch an Experimental-, Dokumentar-, Trick- und Spielfilme. Man betrachtete die Filmarbeit als eine kreative Herausforderung.

Insbesondere Kurt Schaumann lotete die Möglichkeiten des Mediums Film immer wieder neu aus. Mit gekonnter Ausleuchtung - einem besonderen Kennzeichen der Schaumannfilme, einem perfektem Schnitt und einem gut durchdachten Drehbuch, wagte er sich an die Inszenierung schwieriger Themen. Auch international fand Schaumann recht bald Anerkennung, so war er von 1958 bis 1964 mit jeweils einem seiner Filme bei der deutschen UNICA-Auswahl (das ist die Internationale Vereinigung der Film-Autoren) vertreten. Zweimal erhielt er dabei eine Gold-, dreimal eine Silber- und zweimal eine Bronzemedaille.

Aber auch die anderen Klubmitglieder hatten ihre Erfolge bei den Landes- und Bundesfilmfestivals und erhielten für ihre Filmwerke so manche Auszeichnung. Doch das ist nur eine Seite des Filmschaffens im Klub. Nicht jeder Autor strebt mit seinen Filmen zu Wettbewerben und Auszeichnungen. So mancher will einfach nur das Leben ein wenig festhalten, das aufzeichnen, was innerhalb seiner Familie oder seinem Umfeld geschieht oder was er auf seinen Reisen erlebt, frei nach dem Motto: "Wer fotografiert hat mehr vom Leben - wer filmt hat das Leben selbst!"

Neben all den "privaten" Filmstreifen, welche die Klubmitglieder produzierten, hielt man aber auch lokale Ereignisse der Stadt Soest im Film fest. Einer der Höhepunkte war dabei sicher der Truppenbesuch von Queen Elizabeth, die gemeinsam mit ihrem Gatten Prinz Philip der damaligen kanadischen Garnison in Soest ihre Aufwartung machte. Auch der Besuch von Bundespräsident Theodor Heus und sein Gang durch die Gassen der Soester Altstadt zählen dazu. Für die Nachwelt festgehalten wurde selbst das erste Soester-Auto von anno 1928. Von besonderem dokumentarischen Wert sind Aufnahmen von der im II.Weltkrieg stark zerstörten Petrikirche. Der Film über die 1000-Jahr-Feier des St. Patrokli-Doms erfuhr ein besonderes öffentliches Interesse. Auch die Streifen über die Allerheiligenkirmes - davon gibt es eine ganze Reihe, die Hansetage, Schützenfeste und was es da sonst noch alles gibt, finden immer wieder ihr Publikum. Im Laufe der Jahrzehnte entstand eine ganze Chronik über die Stadt Soest.

Gefilmt wurde damals noch auf chemischem Filmmaterial, also auf Azetatfilm, denn den feuergefährlichen Celluloidfilm gab es schon lange nicht mehr. Elektroantrieb bei den Kameras gab es noch nicht und so musste der Federwerkmotor regelmäßig neu aufgezogen werden. Das reichte dann gerade mal für eine halbe Minute Filmaufnahmen. Kein Wunder, dass da auch schon mal etwas schief ging. So schafften es die Soester Filmer nicht in der Dortmunder Westfalenhalle den kompletten Ritt von Springer-Ikone Alwin Schockemöhle aufzunehmen - der Federwerkmotor war abgelaufen. Heute würden da gleichzeitig mehrere Videokameras im Dauerlauf arbeiten. Auch das Schneiden und Kleben des Filmmaterials hatte seine Tücken und insbesondere das Vertonen des fertig geschnittenen Filmes war mit besonderen Schwierigkeiten verbunden. Doch die Tüftler in den Filmklubs und die Erfinder in der Industrie fanden Lösungen dafür.

Mit dem Tod von Kurt Schaumann 1970 traf den Soester Klub ein herber Verlust. Seine Gattin, Lena Schaumann, ist dem Klub aber treu geblieben und hat darüber hinaus über viele Jahrzehnte das Auslandsreferat des BDFA betreut.

Nachfolger von Kurt Schaumann wurde Hans Holte, der - mit einer kurzen Unterbrechung - über 25 Jahre den Klub erfolgreich leitete. In seiner Zeit als Klubleiter begann auch der Siegeszug von Video. Noch lange aber lief beides parallel: Film und Video. Das war dann der Grund den Klubnamen von Schmalfilmklub in Film- und Videoklub zu ändern, um so den Anhängern beider Systeme eine filmische Heimat zu bieten.

Von 2000 bis 2008 leitete Wilfried Vollmar den Soester Filmklub und noch einmal gab es in dieser Zeit eine Namensänderung. Filme gab es inzwischen auf chemischen Film (immer noch), auf DVD, Festplatte, Speicherchip, und wird es wohl irgendwann auch auf noch neu zu erfindenden Medienträgern geben. Alles aber was darauf aufgezeichnet ist, das ist Film und so nennt sich der ehemalige Schmalfilmklub heute dem entsprechend "Soester Filmklub". Sein Enblem "sfk", das einmal für Schmalfilmklub Soest stand, steht heute für Soester Filmklub

Seit Januar 2008 leitet nun Heinz Rehborn den Klub und setzt die Arbeit seiner Vorgänger fort. Und hier schließt sich der Kreis, denn Rehborn leitete 17 Jahre lang bis 1993 den Schmalfilmklub Lippstadt, den Patenklub des Soester Filmklubs.

An jedem 2. und 4. Montag im Monat um 19.30 Uhr treffen sich die Klubmitglieder im Bürgerzentrum Alter Schlachthof. Näheres darüber ist in unserer Rubrik "Über uns" und unter "Programm" zu finden.

Über die gemeinsame Filmarbeit hinaus, der Förderung neuer Mitglieder, dem Angebot von Schulungen, Vorträgen und Seminaren, sowie dem Besuch der BDFA-Filmfestivals hinaus, der Sicherung alter Filme auf den neuen Speicher-Medien, war und ist die Anschaffung klubeigener Geräte, die auch den einzelnen Mitgliedern zur Verfügung stehen, unser Ziel.

Als Mitglied im Bundesverband Deutscher Film-Autoren e.V. (BDFA) lädt der Filmklub Soest in Abständen von 5 Jahren, jeweils zu seinem 5er-Jubiläum, zum Landesfilmfestival Westfalen ein. Näheres darüber finden Sie in der Rubrik "Aktuelles".

(Neubearbeitung: Heinz Rehborn)

Zuletzt aktualisiert am Dienstag, den 16. Dezember 2008 um 09:47 Uhr